Orientierungshilfe für Forschungskooperationen in China

Aktuelles

Veröffentlicht am 29.06.2026

Forschung und Innovation spielen in der VR China eine herausgehobene Rolle. In den letzten Jahren hat sich das Land zu einem der weltweit wichtigsten Akteure in zahlreichen Bereichen der Wissenschaft entwickelt und gilt in einigen Disziplinen als führend. Zahlreiche chinesische Universitäten belegen in internationalen Rankings Spitzenplätze, und China verfügt über hochqualifizierte (Nachwuchs-)Wissenschaftler: innen und Studierende. 

Deutsche Universitäten und Wissenschaftler: innen möchten die Chancen, die die Zusammenarbeit mit chinesischen Universitäten und chinesischen Wissenschaftler: innen bietet, auch in Zukunft nutzen und transparente, interessengeleitete Partnerschaften weiterentwickeln und vertiefen. 

Gleichzeitig steht die Zusammenarbeit mit China vor großen Herausforderungen. Die unterschiedlichen politischen Systeme, die unterschiedlichen Rechts- und Wissenschaftssysteme in China und Deutschland, sowie die geopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre und die zunehmenden politischen Spannungen führen in beiden Ländern dazu, dass Wissenschaft zunehmend auch eine verteidigungspolitische Relevanz hat, dass Abhängigkeiten vermieden werden müssen und dass (wissenschaftliche) Daten vor ungewolltem Wissensabfluss geschützt werden müssen. 

Dieses Papier soll Wissenschaftler: innen eine erste Orientierung für die Analyse von Risiken in Forschungskooperationen mit China geben. 

Werksführung CCTC Delegation - Shanghai DianJi Universität Analysis and Testing Center

 

Prinzipien der Risikoanalyse 

Jede Forschungskooperation sollte im Einzelfall bewertet werden. Die Bewertung erfolgt offen, transparent, risikobewusst und frei von Diskriminierung. Die Einhaltung wissenschaftlicher, ethischer und rechtlicher Standards hat oberste Priorität. 

Risiken müssen frühzeitig, bereits in der Planungsphase und bevor rechtliche oder anderweitige Verpflichtungen eingegangen werden, analysiert werden. Darüber hinaus müssen Risiken auch fortlaufend berücksichtigt werden, z.B. bei veränderten Rahmenbedingungen, die u.a. Veränderungen bei der Partnerinstitution, den involvierten Personen, veränderte rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland und/oder China oder eine veränderte geopolitische Situation betreffen können. 

Die Risikoanalyse und die zur Minimierung der Risiken getroffenen Maßnahmen sollten schriftlich dokumentiert und gespeichert werden. Sollten hierbei personenbezogene Daten gespeichert werden, so ist die DSGVO einzuhalten. 

 

Wissenschaftler: innen sollten in ihre Beurteilung der eigenen (geplanten) Kooperation wann immer angebracht die Möglichkeit der Beratung in Anspruch nehmen und weiteres Fachwissen, z.B. in Bezug auf rechtliche Expertise, ethische Standards, Regionalkompetenz, und Standards der guten wissenschaftlichen Praxis in die Beurteilung der Risiken einbeziehen. Ansprechpartner: innen an Universitäten können u.a. Exportkontrollbeauftragte, die Internationale Abteilung, die Forschungsabteilung, Ethikkommissionen, und Kommissionen für Ethik sicherheitsrelevanter Forschung sein. Darüber hinaus gibt es auch externe Angebote, z.B. das Beratungsangebot des DAAD KIWi oder die Möglichkeit einer rechtlichen Erstberatung über eine von der HRK beauftragten Kanzlei.

Eine Orientierung bei der Einschätzung von Chancen und Risiken in Kooperationsvorhaben, und dem Umgang damit, bieten insbesondere die folgenden Publikationen: 

KIWi Kompass "Datenschutz in China" (2026)

KIWi Kompass "Die KIWi Checkliste Wissenssicherheit" (2025)

KIWi "Die akademische Zusammenarbeit mit China realistisch gestalten" (2024)

KIWi Kompass "Keine rote Linien" (2024)

BAFA Handbuch "Exportkontrolle und Academia" (2022)

DLR "Risikomanagement in internationalen Forschungskooperationen" (2026)

Positionspapier des Wissenschaftsrats "Wissenschaft und Sicherheit in Zeiten weltpolitischer Umbrüche" (2025)

 

Mögliche Risiken in internationalen Forschungskooperationen 

Folgende Bereiche sollten vor und während der Zusammenarbeit mit Akteuren in oder aus China in Bezug auf möglicherweise vorhandene Risiken geprüft werden:  

  • Außenwirtschaftsrechtliche Relevanz oder Dual-use relevante Forschungsergebnisse

  • Hintergrund und Affiliation der Partnerinstitution und der in eine Zusammenarbeit involvierten Personen 

    • Gibt es Verbindungen zum chinesischen Militär oder zu chinesischen Sicherheitsorganen? Gibt es relevante Doppelfunktionen/Doppelrollen? (Sowohl in Bezug auf die Institutionen als auch die Personen) 

    • Welche Veröffentlichungen, Forschungsprojekte und Kooperationen gab es in der Vergangenheit? 

    • Gibt es Finanzierungen durch Militär, Sicherheitsorgane, Parteiorgane und/oder verteidigungs- oder sicherheitsrelevante Privatunternehmen?  

  • Finanzierung der Zusammenarbeit und damit verbunden, mögliche Einflussmöglichkeiten oder Erwartungshaltungen in Bezug auf die Ergebnisse oder den Forschungsprozess 

  • Rechtliche Risiken, in Bezug auf personenbezogene Daten und Forschungsdaten 

    • Werden personenbezogene Daten grenzüberschreitend geteilt? 

    • Werden Forschungsdaten grenzüberschreitend geteilt? 

    • Sind IP Rechte geregelt? 

  • Sensible Themen 

    • Berührt die Kooperation Themen oder Aspekte, die in China als sensibel gelten, oder die von der Zensur betroffen sind? 

  • Institutionelle und Reputationsrisiken 

    • Könnte die Zusammenarbeit negative Auswirkungen auf andere Kooperationen der eigenen Institution haben? 

    • Könnte die Zusammenarbeit der Reputation der eigenen Institution schaden? 

 

Forschungsfelder bei denen besondere Vorsicht geboten ist 

- Wenn damit zu rechnen ist, dass die Forschungskooperation Dual-use relevante Ergebnisse erzielt, bzw. wenn die Inhalte außenwirtschaftsrechtliche Relevanz aufweisen;  

- Wenn die Forschung Menschen involviert, insbesondere wenn unterschiedliche ethische oder rechtliche Rahmenbedingungen in China und Deutschland bestehen; 

- Wenn die Forschung unmittelbar der chinesischen Propaganda dient oder einseitig regimelegitimierende Narrative der kommunistischen Partei unterstützt; 

- Wenn die Forschung, die Mitglieder der eigenen Institution, Partner in China, chinesische Studienteilnehmende oder chinesische Studierende in Gefahr bringt;  

- Wenn bei der Forschung, Daten in China erhoben werden, die nicht ohne vorherige Genehmigung ausgeführt werden dürfen. 

 

Empfehlungen für Wissenschaftler:innen 

Dual-use und außenwirtschaftsrechtliche Relevanz prüfen: Prüfen Sie, ob Ihre Forschung außenwirtschaftsrechtliche Relevanz hat oder ob bei Ihrer Forschung mit Dual-use relevanten Ergebnissen zu rechnen ist. Dies ist für alle außereuropäischen Kooperationen verpflichtend. 

Politische Sensibilität verstehen: Prüfen Sie, ob Ihre Forschung Bereiche berührt, die in China sensibel sind und/oder zensiert werden.  

Risiken managen: Identifizieren, bewerten und minimieren Sie mögliche Risiken frühzeitig. Protokollieren Sie ihr Vorgehen und beziehen Sie bei Bedarf weitere Personen mit ein. Berücksichtigen Sie mögliche Risiken auch bei laufenden Kooperationen und reagieren Sie insbesondere bei veränderten Rahmenbedingungen. 

 

Beratungsangebote nutzen: Nutzen Sie die Beratungsangebote der Internationalen Abteilung, der Forschungsabteilung, der Ethikkommissionen, etc. und informieren Sie sich nach Möglichkeit auch bei externen Veranstaltungen und weiterführenden Angeboten zu den jeweils aktuellen Rahmenbedingungen in China. 

Partner kennen:  Bauen Sie persönliche Beziehung zu Ihren Partnern auf und stellen Sie sicher, dass Sie die Personen und deren Werdegang kennen. Planen Sie Forschungskooperationen erst, wenn Sie die Personen (mehrfach) persönlich getroffen haben und eine gute, vertrauensbasierte Arbeitsbeziehung aufgebaut haben. 

Transparent kommunizieren: Kommunizieren Sie sowohl innerhalb der Universität als auch mit den Partnern transparent in Bezug auf das notwendige Risikomanagement. 

Rechtlich absichern: Institutionalisieren Sie Kooperationen und sichern Sie sich vertraglich ab, insbesondere im Hinblick auf IP Rechte und die Festlegung der Verantwortlichkeit im Hinblick auf Daten(sicherheits)gesetze. 

Chancen nutzen: Wenn Risiken identifiziert wurden, bedeutet das nicht automatisch, dass die Kooperation nicht durchgeführt werden sollte. Auch bei bestehenden Risiken, kann eine Kooperation wichtig sein, wenn sie einen (angemessen großen) Nutzen bietet. Ungenutzte Chancen sind ebenfalls ein Risiko. 

Shanghai DianJi Universität Analysis und Testing Center
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